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Auftakt zum ZVW-Stammtisch: Deutschland ist allenfalls ein Geheimfavorit – Sport-News aus dem Rems-Murr-Kreis und der Welt – Zeitungsverlag Waiblingen

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Große Irritation, um nicht zu sagen Alarmstimmung am EM-Stammtisch des Zeitungsverlags Waiblingen: Beim Warm-up im Clubrestaurant des Golfclubs Haghof lehnt sich ausgerechnet der notorische Skeptiker und Nörgler Klaus Bihlmaier am weitesten aus dem Fenster und verkündet im Brustton der Überzeugung: „Wir werden Europameister!“ „Wir kommen ins Finale und verlieren dann gegen Portugal“, lautet das kurze Statement von Herbert Kiess, der gerade die letzten Vorbereitungen für das wenig später beginnende Golf-Turnier trifft.

Rechtzeitig die Kurve gekriegt

Und dieses Turnier ist es, dem der Stammtisch die Anwesenheit des Gründers und Aufsichtsratsvorsitzenden des Teamsport-Ausstatters Jako mit Sitz in Hollenbach, Rudi Sprügel, verdankt. Favoriten sind für ihn die üblichen Verdächtigen wie Frankreich, England und Spanien, den EM-Gastgeber Deutschland sortiert er zunächst einmal nur unter der Rubrik „Geheimfavoriten“ ein – genauso wie übrigens die Italiener.

Ähnliches sagt in einer Videobotschaft an den Stammtisch der Ex-Nationalspieler Andreas Hinkel über seine Mannschaft Belgien. Die sei, sagt Hinkel, in der Vergangenheit ein gerngesehener Gast am Stammtisch und mittlerweile gemeinsam mit Domenico Tedesco für die belgische Nationalmannschaft zuständig, nicht unbedingt ein Top-Favorit, aber durchaus in der Lage, allen Großen wehzutun.

Auch wenn nach dem, was bei den beiden letzten Großereignissen in Russland, auf dem europäischen Kontinent und in Katar und in der überwiegend zähen Phase vor der jetzt anstehenden Europameisterschaft schiefgegangen ist, die Stimmung am Stammtisch noch nicht euphorisch sein kann, so lässt sie sich grundsätzlich doch mit „positiv“ und „durchaus optimistisch“ beschreiben. Weil, ist sich Sprügel mit Ex-Kickers-Profi Ralf Vollmer und Jürgen Knappenberger, der mit seiner Marketing-Agentur nicht nur das belgische Trainer-Duo, sondern auch den Stuttgarter WM-Teilnehmer Waldemar Anton betreut, einig, Bundestrainer Julian Nagelsmann gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und den Kader der deutschen Nationalmannschaft so umgekrempelt hat, dass wieder Grundtugenden wie Einsatzbereitschaft und mannschaftliche Geschlossenheit zum Tragen kommen.

Die richtigen Lehren ziehen

Die Spiele gegen Frankreich und Holland und, wenn man von der Abschlussschwäche absieht, in Ansätzen auch gegen die Ukraine – aber nicht gegen Griechenland – haben gezeigt, dass dies nicht zum Schaden der Spielkultur und einer funktionierenden Balance zwischen Offensive und Defensive sein muss. „Wir haben die richtigen Lehren nach dem Desaster mit den Niederlagen gegen die Türkei und Österreich gezogen“, sagt Ralf Vollmer, und Dietmar Heinle, der die positive Grundeinstellung, den absoluten Willen, etwas erreichen zu wollen mit Spielern, „die sich wehren können“, und eine gute Hierarchie („Niemand mault rum“) hervorhebt, sieht bei der Nationalelf eine ähnlich vielversprechende Entwicklung, wie sie Bayer Leverkusen und der VfB durchgemacht haben.

Vor allem Letzteres freut natürlich Rudi Sprügel, dessen Unternehmen nicht nur den VfB, sondern mit Mainz 05, Preußen Münster und RW Essen weitere deutsche (und eine Vielzahl weiterer ausländischer) Proficlubs in verschiedenen Sportarten ausstattet, ansonsten aber vor allem im Amateursport sehr präsent ist.

Ein paar Personalien werden kritisch hinterfragt

Zurück zur Nationalmannschaft, bei der es noch einige zunächst einmal von Moderator Hans Pöschko aufgerufene Personalien zu klären gibt. Als da exemplarisch wären: Julian Nagelsmann, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan und Niklas Füllkrug. Er sei von Nagelsmann, zumal in Verbindung mit seinem Co-Trainer Sandro Wagner, „total überzeugt“, bekundet Klaus Bihlmaier, unterbrochen von einem „Ich nicht“ des Bayern-Fans Jürgen Knappenberger. „Die darf man hinterfragen“, sagt Rudi Sprügel zur Personalie Manuel Neuer, der auch aus Sicht von Dietmar Heinle – und zu sehen auch in den beiden jüngsten Testspielen – zuletzt immer wieder Böcke eingebaut hat, die es seinem Stellvertreter Marc André ter Stegen nicht unbedingt leichter machen, sich mit der ihm erneut und vorschnell zugeschriebenen Reservistenrolle abzufinden. „Der merkt selber, dass er auf der Kippe steht“, urteilt Klaus Bihlmaier über Ilkay Gündogan, der seine nach der Rückkehr von Toni Kroos neu zu definierende Rolle neben und hinter den beiden Senkrechtstartern Musiala und Wirtz noch nicht gefunden zu haben scheint. Dass der nach Einschätzung von Dietmar Heinle etwas unterschätzte Niklas Füllkrug auf der Mittelstürmerposition derzeit gegenüber Kai Havertz im Nachteil zu sein scheint, zeigt für Ralf Vollmer exemplarisch, „dass wir auf vielen Positionen gut besetzt sind“. Zumal er überzeugt ist, dass es Spiele geben wird, in denen ein Stoßstürmer wie Füllkrug – Heinle spricht von einem „Ochsen“ – dringend gebraucht wird. Eventuell schon im Auftaktspiel gegen Schottland.

Joshua Kimmich ist ein Thema

Etwas überraschend bringt der Jako-Chef die „spannende“ Personalie Joshua Kimmich ins Spiel. Von dessen Qualitäten auf der Rechtsverteidiger-Position sei er noch nicht 100-prozentig überzeugt, meint Sprügel und hofft, dass Kimmich in den entscheidenden Spielen seiner Verpflichtung als Außenverteidiger gewissenhafter nachkommt als zum Beispiel im Testspiel gegen die Ukraine. Auch von Toni Kroos sei er noch nicht gänzlich überzeugt, wirft Biergarten-Betreiber und Bayern-Fan Volker Ziesel ein – und bekommt prompt Unterstützung von Rudi Sprügel. „Den hast du in der Champions-League gegen Dortmund 75 Minuten nicht gesehen und dann schlägt er den Eckball, der zum 1:0 führt, und schon jubeln ihn die Medien zum besten Spieler des Spiels hoch“, kritisiert Sprügel, der aber auch den Einwand aus der Runde gelten lässt, dass Kroos mit dieser EM seine Karriere beende und dass er deshalb noch einmal „alles reinhauen“ werde. Im Gegensatz, so Volker Ziesels Erinnerung, zu den zurückliegenden Großereignissen, bei denen Toni Kroos mit der gesamten Mannschaft untergegangen sei.

Kein Auftaktsieg, und der Druck würde gewaltig steigen

„Leute, denkt positiv“, ermahnt ausgerechnet Klaus Bihlmaier die Stammtischrunde und geht mit gutem Beispiel voran, indem er das Auftaktspiel gegen Schottland schon mal abhakt und fragt, warum man sich eigentlich vor der Schweiz und Ungarn fürchten soll. „Weil die gut sind“, antwortet Dietmar Heinle vor allem mit Blick auf die Ungarn. „Weil sie dazugelernt und die richtige Mentalität haben“, sagt Rudi Sprügel über denselben Gegner und mag sich nicht vorstellen, welchem Druck die deutsche Mannschaft schon im zweiten Spiel gegen Ungarn ausgesetzt wäre, sollte es im Auftaktspiel gegen Schottland keinen Sieg geben. Von Anfang an eine Euphorie entfachen und nur nicht wieder sang- und klanglos nach der Vorrunde oder dem Achtelfinale ausscheiden, ist Sprügels Wunsch, dem sich alle am Stammtisch anschließen können. Schließlich wär’s schön, wenn auch mal wieder über ein Viertelfinale oder sogar ein Halbfinale mit deutscher Beteiligung diskutiert werden könnte. Lang, lang ist’s her.

Die Tipps: Rudi Sprügel: 2:1; Ralf Vollmer: 2:1; Dietmar Heinle: 2:0; Herbert Kiss: 3:1; Klaus Bihlmaier: 3:0; Sepp Bettstatt: 2:0; Volker Diesel: 3:1; Hans Pöschko: 3:0; Jürgen Knappenberger: 1:1 (Kommentar Bihlmaier: „Du hoch ja wirklich gar koi Ahnung“).

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