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Proteste, Ermittlungen, Rücktritte: AfD fällt in Umfragen auf niedrigsten Stand seit einem Jahr und verliert 2,6 Millionen Wähler

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Die AfD verliert in Wahlumfragen stetig an Zustimmung: Fraktionschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla und Maximilian Krah (m.)
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Die AfD verliert an Zustimmung. Im Durchschnitt der Wahlumfragen liegt sie bundesweit nur noch bei 16,3 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit einem Jahr. Seit Jahresanfang haben sich 2,6 Millionen Menschen von der AfD abgewendet.

Die AfD liegt auch nicht mehr unangefochten auf Rang zwei hinter der klar führenden CDU/CSU. In mehreren neuen Umfragen hat die SPD die AfD erstmals seit Monaten wieder überholt.

Meinungsforscher führen die AfD-Verluste auf viele Faktoren zurück: Am wichtigsten seien ihre Nähe zu Rechtsextremisten, Affären von AfD-Politikern sowie die Konkurrenz durch das „Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW).

Die AfD verliert in Umfragen weiter an Zustimmung. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden im Mittel der Wahlumfragen nur noch 16,3 Prozent AfD wählen. Das ist der niedrigste Stand seit einem Jahr und mehr als fünf Prozentpunkte weniger als zu Jahresbeginn. Das ergeben die Umfragen der acht wichtigsten Meinungsforschungsinstitute in Deutschland. Auch in Umfragen zur Europawahl an diesem Sonntag und den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg im September sackt die AfD ab.

Legt man eine Wahlbeteiligung wie bei der letzten Bundestagswahlzugrunde, hat die AfD seit Jahresbeginn die Zustimmung von rund 2,6 Millionen Menschen verloren. Statt deutlich über zehn Millionen wollen aktuell gut 7,5 Millionen AfD wählen.

In den Umfragen zur Bundestagswahl kommt die AFD auf Werte zwischen 14 und 18 Prozent. Im Vergleich zum Jahresanfang liegen die Verluste je nach Institut zwischen 2,5 (Allensbach) und sieben Prozentpunkten (Forsa).

In der jüngsten Allensbach-Umfrage kommt die AfD nur noch auf 14 Prozent. Damit verliert sie in diese Umfrage erstmals seit vielen Monaten den zweiten Platz an die SPD, die auf 17,5 Prozent kommt. Auch bei Forsa und Insa liegt die SPD jetzt vor der AfD.

Im Durchschnitt der acht Institute liegt die AfD bei 16,3 Prozent. Berücksichtigt sind dabei die jeweils neuesten Umfragen von Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, GMS, Infratest dimap, Insa und YouGov. Die folgende Tabelle zeigt die jeweils aktuellsten Umfragen der Institute.

Stärkste Kraft wäre die Union. Die CDU/CSU liegt im Mittel bei 30,6 Prozent etwa auf ihrem Stand zum Jahreswechsel. Die SPD kommt im Mittel derzeit auf 15,7 Prozent. Das ist knapp ein Prozentpunkt mehr als zu Jahresbeginn. Die Grünen liegen mit 13, Prozent etwas unter ihrem Wert zum Jahreswechsel.

Wahlumfragen: BSW stark, FDP erholt sich

Das neue Bündnis Sahra Wagenknecht käme mit sechs Prozent deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Bundestag. Dieser Marke nähert sich auch die FDP mit aktuell 4,9 Prozent von unten wieder an.

Die Entwicklung der durchschnittlichen Umfragewerte für die Parteien seit dem Sommer 2023 zeigt diese Grafik:

Die Grafik macht den Abschwung der AfD deutlich – und den parallelen Aufstieg des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Wahlforscher gehen davon aus, dass das BSW den Stimmenanteil der AfD gedrückt hat. Das BSW der früheren Linken-Politikerin Wagenknecht vertritt ein Teilen ähnliche Positionen wie die AfD, etwa bei der Zuwanderung oder zu Russland. Das BSW zielt wie die AfD auf enttäuschte Wähler mit einem Schwerpunkt im Osten. Als eher links verortete Partei grenzt das BSW sich aber von Rechtsextremen ab.

AfD verliert in Umfragen: Das sind die Gründe

Als zweiten Grund für die Verluste der AfD nennen Wahlforscher die Thematisierung ihrer Nähe zu Rechtsextremen. Der Verfassungsschutz stuft die AfD in mehreren Bundesländern als „gesichert rechtsextreme Bestrebung“ ein. Auch bundesweit gilt sie als Verdachtsfall. Gerichte haben diese Einschätzung bestätigt. Dazu passen die vielen Kundgebungen für die Demokratie und gegen Rechtsextremismus. „Manche Nichtwähler werden mobilisiert, weil sie die AfD ablehnen und ihr Erstarken verhindern wollen“, sagte der Politikwissenschaftler Armin Schäfer der „Welt“.

Seit Wochen sind zudem AfD-Politiker in Affären verwickelt. Dazu gehören die beiden Spitzenkandidaten der AfD für die Europawahl, Maximilian Krah und Petr Bystron. Gegen Bystron laufen Ermittlungen wegen des Vorwurfs, er habe Geld aus Russland angenommen. Der Bundestag hob seine Immunität auf. Bystron tritt seither nicht mehr im Wahlkampf aus. Er bestreitet die Vorwürfe.

Ein Mitarbeiter Krahs wurde unter dem Verdacht der Spionage für China festgenommen. Krah selbst sorgte mit Äußerungen zur NS-Organisation SS für einen Skandal. Die AfD-Spitze erteilte ihrem Spitzenkandidaten ein Auftrittsverbot. Krah zog sich auch aus dem AfD-Bundesvorstand zurück. Die rechte ID-Fraktion im Europaparlament schloss alle AfD-Europaabgeordnete aus.

In Thüringen wurde AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke zu einer Geldstrafe von 13.000 Euro verurteilt, weil er einen verbotenen Slogan der Nationalsozialisten verwendet hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Geschichtslehrer Höcke beruft sich darauf, dass er Ursprung und Verbot des Slogans nicht gekannt habe.

Ein wichtiger Hinweis: Wahlumfragen sind mit Unsicherheit behaftet. Sie spiegeln nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Umfrage wider und sind daher auch keine Prognose auf einen Wahlausgang.

Bei den Umfragen zur Europawahl am 9. Juni hat die AfD ebenfalls stark verloren. Alle Umfragen zur Europawahl mit Tabellen und Grafiken findet ihr in diesem Artikel:

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