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Das sagt die Reisebranche zur FTI-Pleite

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Martin Wittwer, Präsident Schweizer Reise-Verband

«Der angekündigte Einstieg von Certares deutete darauf hin, dass es gut kommt mit FTI. Die News vom Montag waren insofern unvorhergesehen. Aber fix wird es erst dann, wenn die Verträge im Trockenen sind. Ein Restrisiko bleibt, dass dies nun eingetreten ist, ist schade.

In der Schweiz, aber auch in Deutschland werden die Kunden finanziell wohl nicht zu Schaden kommen. Deswegen verfügen wir ja über eine Kundengeldabsicherung. Es bleibt Ärger und Stress für den Kunden, aber kein finanzielles Problem. Für die Reisebranche gibt es leider einen grossen Mehraufwand.

Imagemässig ist es für die Reisebranche nun aber wichtig aufzuzeigen, dass wir einen solchen Fall auch lösen können und dass es eine Sicherheit für die Kunden ist, beim Reisebüro zu buchen. Wir verfügen über einen Mehrwert, den müssen wir jetzt spielen, obwohl die aktuelle Situation für die Mitarbeitenden und die Branche nicht erfreulich ist.»

Marco Amos, Geschäftsführer Garantiefonds

«FTI Schweiz ist noch nicht Konkurs, insofern sind wir noch gar nicht im Spiel, die Verträge laufen Stand heute noch weiter. Aber klar, wir stehen im direkten Kontakt und stellen fest, dass FTI bemüht ist, einen allfälligen Schaden so tief wie möglich zu halten.

Falls FTI Schweiz tatsächlich Konkurs gehen sollte, dann bin ich aber zuversichtlich, dass wir einen solchen Konkursfall finanziell bewältigen könnten, dies auch dank der Sicherheitssumme, die FTI hinterlegen musste.

Zudem gewährt meines Wissens FTI den Reisebüros eine kundenfreundliche Zahlungsabwicklung, das Geld wird relativ spät eingezogen. Das heisst, dass ein Grossteil der Reisen in Zukunft noch gar nicht bezahlt sind. Somit kann das Reisebüro, wenn es denn eine Anzahlung vom Kunden verlangt hat, dem Kunden den Betrag direkt rückerstatten.

Klar, das Reisebüro ist verärgert, weil es umbuchen muss und der Kunde ist unzufrieden, weil er vielleicht ein nicht mehr so günstiges Package erhält. Falls nun eine vermittelte und bezahlte Reise ansteht, und die nicht angetreten werden kann, dann greift der Garantiefonds. In den nächsten Tagen wissen wir zum Ausmass und den Details des Falles dann sicherlich mehr.»

Alex Vogel, Leiter Operations STAR Enterprises AG

«Wir wurden gestern Vormittag direkt von Ludovic Rigel informiert, was wir sehr geschätzt haben. Daraufhin haben wir unsere Mitglieder umgehend informiert. Einige Reisebüros haben sich gemeldet und die Fragen drehten sich insbesondere um: Was ist zu tun bei kurz bevorstehender Ab- oder Rückreise? Muss man bevorstehende Buchungen stornieren oder umbuchen? Wie funktioniert die Abwicklung der Kundengeldabsicherung?

Wir bei STAR haben dazu ein paar wichtige Punkte für unsere Reisebüros zusammengestellt:

  • Umgehend den FTI-LSV bei der Bank löschen, damit keine Forderungen von FTI belastet werden können.
  • Ruhe bewahren und das weitere Vorgehen seitens FTI und dem Garantiefonds abzuwarten. Würden nun bezahlte Buchungen vom Reisebüro storniert, besteht die Gefahr, dass nicht nur die Rückvergütung von FTI nicht stattfindet, sondern auch der Anspruch an die Kundengeldabsicherung erlischt.
  • Wir empfehlen ebenfalls keine Rückerstattungen an Kunden zu tätigen, da bei der KGA der Kunde gefordert ist, seine Forderungen beim Garantiefonds geltend zu machen.

Sobald das weitere Vorgehen geklärt ist, werden wir von STAR unsere Mitglieder bestmöglich bei der Abwicklung unterstützen.»

Louis Burgess, Fremdenverkehrsamt Malta

«Dass es für FTI nicht weiter geht, ist sehr schade. Als ich davon gehört habe, dachte ich zuallererst an die Kolleginnen und Kollegen in Dietlikon und Allschwil, die jetzt ihren Job verlieren. Das ist für alle Betroffenen ein schwerer Schlag.

Für das Reiseland Malta war FTI über viele Jahre ein wichtiger Partner – gerade auch, als es darum ging, die Destination bekannter machen. Zuletzt war Malta deutlich breiter aufgestellt und nicht mehr derart stark von den FTI-Buchungen abhängig wie früher. Trotzdem: Jede einzelne Buchung, die nun verloren geht, tut weh.

Was wir in der Branche daraus lernen können? Es ist nie gut, wenn man nur von ein paar wenigen Quellmärkten oder Reiseveranstaltern abhängig ist. Um im Markt langfristig zu bestehen muss man breit aufgestellt sein, um auch Rückschläge wie diesen verkraften zu können.»

Deniz Ugur, CEO Bentour Reisen

«Wenn ein grosser Marktbegleiter wie FTI in die Insolvenz geht, ist es die Aufgabe sämtlicher Touristiker, mögliche Vertrauensverluste an unserer Branche gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Wir werden kollegial alles dafür zu tun, dass Kundinnen und Kunden auch kurzfristig Ferien neu buchen können. Ebenfalls versuchen wir in Absprache mit Leistungsträgern in den Destinationen, die bereits gebuchten Preise nochmals bestätigt zu bekommen.

Für Brancheninsider ist die Insolvenz nicht überraschend, finanzielle Probleme waren seit Jahren bekannt. Da man aber immer auch das sehr grosse Umsatzvolumen ins Verhältnis setzen muss, waren Hoffnungen durchaus berechtigt, dass es mit dem Turnaround klappen könnte.

Insgesamt war FTI immer sehr aktiv und hat sich beispielsweise auch in Krisenzeiten für Reisen in die Türkei eingesetzt. Wir wünschen allen Mitarbeitenden alles Gute und hoffe, dass Sie schon bald eine neue Aufgabe finden. Auch würden wir uns freuen wenn, sie unserer Branche treu bleiben würden.»

Christina Wagner, Geschäftsführerin Travelshop

«Es ist ein Riesenchaos. Wir verfügen über keine genauen Angaben, was wir nun wirklich machen sollen mit Buchungen, die ab Juli laufen. Wir müssen jeden einzelnen Fall recherchieren, was ist bezahlt, was ist nicht bezahlt. Bei den einen Dossiers ist das möglich, in anderen Fällen, etwa einem Charterflug mit der Edelweiss, nicht. Bei Kontingenten erhalten wir keine Auskünfte darüber, ob dies nun bezahlt war oder nicht. Auf gut Deutsch: eine Riesenkatastrophe. Erschwerend kommt hinzu, dass erst FTI Deutschland konkurs ist und FTI Schweiz noch nicht. Sehr mühsam, …, sorry, es gehen mehrere Telefonanrufe ein, ich muss weiter.»

Stephan Amstad, Messeleiter Fespo

«Die Insolvenz von FTI ist wirklich bedauerlich und ein harter Schlag für die Reisebranche. Für die betroffenen Kundinnen und Kunden dürfte die Unsicherheit rund um ihre gebuchten Reisen sehr belastend sein. Die Mitarbeitenden, die ihren Job verlieren, tun mir besonders leid – das ist eine schwierige Situation für alle Beteiligten.

Die Pleite von FTI kam für mich leider nicht völlig überraschend. Wir hatten für die Fespo und Golfmesse 2024 anfangs eine Anmeldung, FTI musste dann aber die Anmeldung kurz danach wieder stornieren. Für 2025 lag noch keine Anmeldung vor.

Für die Fespo und Golfmesse war FTI von grosser Bedeutung – nicht nur als wichtiger Aussteller, sondern auch als bedeutender Akteur in der Reisebranche. Ihre Teilnahme hat dazu beigetragen, die Attraktivität und Vielfalt unserer Messe zu steigern.

Die Präsenz eines so renommierten Unternehmens hat viele Besuchende angezogen und das Ansehen der Fespo gestärkt. Der Wegfall von FTI wird eine spürbare Lücke hinterlassen, sowohl für die Messe als auch für die Besuchenden.»

Barbara Wohlfahrt, Geschäftsführerin Reisecocktail GmbH

«Es ist absolut schade für die Mitarbeiter, es war jedoch absehbar. Für mich war immer klar, bevor der Certares-Deal nicht mit einer Unterschrift besiegelt ist, war ich vorsichtig. Die ganze Art und Weise der Kommunikation von FTI liess jedoch immer zu wünschen übrig.

Lobend finde ich: durch das Abstellen der Systeme auf Grund von technischen Problemen haben sie doch auch fair gehandelt, dass wir nicht noch am Wochenende Hotels oder Mietwagen gebucht haben, die wir nun hätten umbuchen müssen.

Es ist für die Branche mal wieder traurig und zerstört das Vertrauen der Kunden. In Endkundenforen liest man: Flug bei der Airline buchen und Hotel via irgendeine Plattform kurzfristig stornieren, dann habe man keinen Schaden. Der Image-Schaden ist für die Reisebranche nicht absehbar.

Wir müssen uns überlegen, ob nicht wenigstens Einzelleistungen wie Hotels, Mietwagen etc. auch abgesichert werden. Für meine Firma hält sich der Schaden im überschaubaren Rahmen, da wir seit etwas mehr als einem Jahr FTI nur im Notfall gebucht haben.

Von Branchenkollegen ist bekannt, dass es bei Nachfrage beim Garantiefonds zu FTI immer hiess, man müsse sich keine Sorgen machen, die stehen finanziell gut da, aber immer der nette Satz zum Ende, am Ende entscheidet das Reisebüro. Wie viele Kollegen haben sich auf die Aussage verlassen, wir müssen uns keine Sorgen um FTI machen? Was zusätzlich helfen würde, wäre eine Kommunikation von der Branche, was das Vorgehen ist.»

Heinz Zimmermann, CEO und Inhaber Topline Group

«FTI hat den Markt bereichert und war in gewissen Zielgebieten wie Ägypten, USA, Thailand und anderen Regionen ein starker, nicht zu unterschätzender Marktteilnehmer. Ich bedaure die Insolvenz sehr. Auch hatte FTI sehr gute Mitarbeitende, die sich täglich mit Leidenschaft und Loyalität für ihr Unternehmen einsetzten.

Wirklich überrascht war ich nicht, da FTI seit längerer Zeit und vor allem verstärkt durch die Pandemie immer wieder mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte und nicht zum ersten Male auf Finanzspritzen angewiesen war.

Erstaunt war ich aber vom Zeitpunkt, da ich davon ausging, dass der Turnaround mit dem neuen Investor und den eingesetzten strukturellen Anpassungen klappen würde.

Das veränderte Kundenverhalten im digitalen Zeitalter macht das Marktumfeld bei Direktbuchungen, vor allen bei Pauschalangeboten, immer schwieriger. Dies ist eine grosse Herausforderung für alle Marktteilnehmer. Wie effizient sich FTI auf die veränderten Marktgegebenheiten einstellte und wie fit FTI im digitalen Bereich war, kann ich als Aussenstehender zu wenig beurteilen.»

(RSU/GWA)

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